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andré puchta
 
 
 

Mein Freund, der Bürgermeister

Albrecht Dietel kannte mich vom ersten Atemzug an und wurde in 30 Jahren zu einem echten Freund und treuen Wegbegleiter. Im November 2013 starb der langjährige Bürgermeister meiner Heimatgemeinde Zell im Fichtelgebirge unerwartet, was auch für mich eine herbe Zäsur darstellte.

Sein Tod erschien mir lange irgendwie unwirklich. Albrecht war stets zur Stelle, ein engagierter Bürgermeister mit unvergesslichem Humor und vor allem: ein echtes Unikat. Es würde die Zeilen sprengen, all seine Ehrenämter und Verdienste aufzuzählen.

 
 

Foto: Privat

 
 

Am 7. Oktober 1984 sprach die Bevölkerung ihm, dem Postbeamten, erstmals das Vertrauen aus, nachdem der Vorgänger im Amt nur wenige Wochen nach seiner Wiederwahl plötzlich gestorben war. Albrechts ganzer Ehrgeiz, im politischen Sinne, galt fortan seinem Beruf. Seine Liebe jedoch widmete er stets der Familie, seiner Frau, den Kindern und Enkelkindern.

24 Jahre als ehrenamtlicher Bürgermeister im Dienste seiner Gemeinde folgten und zu jedem Zeitpunkt richtete Albrecht den Blick nach vorne; trotz der vielseitigen Herausforderungen und kommunalen Sparzwänge.

Im Dezember 2008 ernannte ihn der Gemeinderat einstimmig zum Altbürgermeister. Tief verwurzelt in den 33 Vereinen und Verbänden pochte sein Herz vor allem für die Freiwillige Feuerwehr, welche ihm die Ehrenmitgliedschaft verlieh. Auch im Zimmerstutzen-Schützen-Club traf man Albrecht regelmäßig an.

 
 

Foto: Privat

 
 

Mit einem Lächeln erinnere ich mich an gemeinsame Zeller Wiesenfeste. Albrecht sang und tanzte mit Bata Ilic und Hubert Kah, moderierte wie ein echter Frankenfeld für den guten Zweck, war der guten Stimmung wegen für jeden Spaß zu haben und trug den Travestie-Künstlern das Gepäck zum Kleinbus.

Im August 1999 befreiten wir gemeinsam mit Tierschützer*innen zwölf Enten, vier Gänse, zwei Truthähne, vier Mastgockel, vier Hühner, einen Hahn, einen Hund, fünf Stallhasen und ein Hausschwein von einem verwahrlosten Grundstück. Albrecht schob die laut grunzende Sau in den bereitgestellten Anhänger. Auch dafür mochte ich ihn uneingeschränkt.

Er blieb sich treu und nahm die Mitmenschen – Jung und Alt - durch seine offene, herzliche und direkte Art für sich ein. Ungerechtigkeit ließ ihm ab und zu den Kopf erröten. Ewignörgler mochte Albrecht gar nicht. Mit zünftiger Mahlzeit und einem guten Bier saß er wie ein Fels in der Brandung vor seinem Haus und gönnte sich zwischen den Terminen ruhige Momente. Albrecht war ein gemütlicher und zugleich anpackender, aufrichtig denkender Jäger.

 
 

Foto: Privat

 
 

Als Jugendreporter der Frankenpost (für welche ich am 26. November 2013 auch den Nachruf verfasste) erlebte ich Albrecht auf diversen Veranstaltungen. Seine Grußworte waren legendär und das Goldene Buch gefühlt in Reichweite, falls mal hoher Besuch den Waldstein streift.

Zur Einweihung des neuen Lehrschwimmbeckens stürzte sich Albrecht samt Hemd und politisch korrekter roter Krawatte in die Fluten, während Georg von Waldenfels am Beckenrand die Gaudi verfolgte.

 
 

Foto: Frankenpost vom 5. Dezember 1998

 
 

Albrecht wollte kein perfekter Mensch sein. Er war eine lebensbejahende Persönlichkeit. Wir telefonierten zuletzt im Sommer 2013 – wie an jedem 1. Juni – an seinem 72. Geburtstag. Er war ein toller Mensch und hinterlässt eine riesige Lücke. Ich werde Albrecht stets ein gebührendes Andenken bewahren.

Und falls Albrecht von 'dort oben' auf seine Heimat sieht, dann behält er sie wach und beschützend im Blick. Lieber Albrecht: aus unserem Leben bist du gegangen, in unserem Herzen bleibst du. Ich danke dir. Mach‘s gut!

Du hast Fragen, Wünsche, Anregungen oder konstruktive Kritik? Dann schreib mir eine E-Mail.

 
 
 
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