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andré puchta
 
 
 

Mister Griesgram, Rumpel und die Eklat-Wahl

Während der Ausbildung und danach raste ich als freier Mitarbeiter für die regionale Tageszeitung Frankenpost von Gartenfest zu 90. Geburtstag und berichtete für drülfzehn Pfennige pro Zeile aus der Heimat.

Nach Feierabend und am Wochenende besuchte ich viele Veranstaltungen der Vereine und Verbände in meiner Heimatgemeinde und den benachbarten Städten und Kommunen. Mit dem Vorsitzenden der örtlichen Feuerwehr - Mister Griesgram - verband mich vor allem eins: Gegenseitige Antipathie.

Sahen wir uns auf der Straße, folgte wenig später ein abwertender Kommentar seinerseits oder beim Betreten der nächsten Gastwirtschaft ein genervtes Raunen am mit Bier gefüllten Holztisch. Ich nahm es mit Humor.

 
 

Foto: Frankenpost

 
 

Mister Griesgram erinnerte mich stets an Rumpel aus der Sesamstraße. Er schätzte alle, die schlechte Laune haben und konnte nichts damit anfangen, wenn andere etwas schön fanden. Am liebsten saß Rumpel in seiner Grautschküche und kochte aus Schrott und Stinkkräutern scheußliche Grautsch-Gerichte.

Auch wenn Rumpel oft anderer Meinung war und gerne etwas kratzbürstig daher kam, wurde er doch von allen Sesamstraßen-Bewohner*innen gemocht. Hinter seiner harten Schale verbarg sich ein weicher Kern. Diesen vermochte ich bei Mister Griesgram nie zu erkennen. Seine offensichtliche Abneigung gegenüber Andersdenkenden war zu offensichtlich.

Meinen Ohren blieb der Dorftratsch nicht verborgen, der eine aufgeheizte Stimmung in den Reihen der Freiwilligen streute. Da traf es sich gut, dass ich von der zeitig einberufenen Mitgliederversammlung im verrauchten Gastraum einer Kneipe berichten sollte. In kleinen Gemeinden ungefähr so bedeutend wie die Oscar-Verleihung in Hollywood.

Drei Kandidaten hatten sich bei den Neuwahlen der engagierten Vorstandschaft um den Posten des Ersten Vorsitzenden beworben. Neben Mister Griesgram stellten sich ein fleißiger Feuerwehrreferent und ein weiteres ambitioniertes Mitglied zur Verfügung. Groß war die Überraschung nicht zuletzt beim Vorsitzenden selbst, als er auf den 44 abgegebenen Stimmzetteln nur zwei Mal seinen Namen las.

Rumpel hätte spätestens jetzt all seinen angehäuften Müll und Schrott um sich geworfen. Im bis auf den letzten Platz besetzten Gastraum sank die gefühlte Temperatur binnen weniger Sekunden auf Kellerniveau.

Zu großem Aufsehen kam es nach dem offiziellen Ende der Versammlung. Der abgewählte Vorsitzende warf einer Vielzahl anwesender Mitglieder Bestechung, Intrigen und das Kaufen von Wählerstimmen vor.

Weil er darüber hinaus Kamerad*innen massiv angriff, behielten sich einige die Einleitung rechtlicher Schritte vor. Ich sortierte meine Gedanken und Notizen. Ein Termin, den man nie vergisst.

Ohne die Bereitschaft, rund um die Uhr für oft nicht einfache Einsätze ehrenamtlich zur Verfügung zu stehen, stünden viele Gemeinden vor einem großen Problem.

Noch heute leisten in der Stützpunktfeuerwehr und den fünf Ortsfeuerwehren viele Frauen und Männer unentgeltlich Dienst für die Allgemeinheit. Dafür an dieser Stelle ein großes Dankeschön!

Du hast Fragen, Wünsche, Anregungen oder konstruktive Kritik? Dann schreib mir eine E-Mail.

 
 
 
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