www.puchta.de | andre@puchta.de | Impressum
  Start
Werdegang
Ehrenamt
Vita
Blog
Kontakt
 
andré puchta
 
 
 

#Paketgate: Vom Irrlauf meiner Weihnachtspost

Heiliger Bimbam! Die Weihnachtszeit ist stets für eine Überraschung gut und auch die fleißigen Zusteller der Republik laufen in den Tagen vor dem großen Fest zur kreativen Höchstform auf. Da traf es sich gut, dass ich mich selbst beschenkte und bei Europas Elektromarkt Nummer Eins eine Online-Bestellung tätigte. Was dann geschah, hat Stoff für einen packenden Zweiteiler. Die Chronologie einer DHL-iebe.

Dienstag, 19:41 Uhr. Media Markt lässt verlauten: "Ihre Bestellung ist eingegangen. Schon bald können Sie sich auf Ihr Paket freuen. Lieferung in 1-2 Werktagen." Na wenn das mal kein Versprechen ist in Zeiten der gesellschaftlichen Unverbindlichkeit.

Mittwoch, 12:58 Uhr: "Die Auftragsdaten zu dieser Sendung wurden vom Absender elektronisch an DHL übermittelt", bestätigt mir die Sendungsverfolgung.

Donnerstag, 10:36 Uhr: "Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum Nohra-Erfurt bearbeitet." Täglich werden dort 340.000 Pakete umgeschlagen. In Spitzenzeiten vor Weihnachten sind es sogar 500.000. Noch in der Nacht (03:48 Uhr) wechselt die Sendung ins Ziel-Paketzentrum Rüdersdorf im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg.

Freitag. Der Spaß beginnt! Um 08:54 Uhr wird der große Karton in das Zustellfahrzeug geladen, wie mir der Online-Sendungsverlauf versichert. "Die Sendung befindet sich wie gewünscht auf dem Weg zur Filiale." Um 14:11 Uhr flattert nachfolgende E-Mail in meinem Posteingang:

 
 

Foto: Privat

 
 

Nun könnte man meinen, alles wird gut und wenige Minuten später halte ich das Paket aufgeregt und glücklich in meinen Händen, doch ich habe die Rechnung ohne die verflixte Technik gemacht. Während der E-Mail-Text von "Paket angekommen; kann in Filiale abgeholt werden" spricht, sieht der Sendungsverlauf "die Sendung zur Abholung auf dem Weg in die Filiale. Die frühestmögliche Uhrzeit der Abholung kann der SMS/E-Mail entnommen werden."

Doch von welcher Filiale sprechen wir eigentlich? offen.net listet in einer Übersicht 345 Deutsche Post-Standorte in Berlin auf, darunter elf in meinem Wahl-Heimatbezirk Friedrichshain. Hinzu kommen viele kleinere Verkaufspunkte als Teil eines anderen Ladengeschäftes. Glücklicherweise entdecke ich in der E-Mail auch eine Hotline für Rückfragen: "Weitere Details nennt Ihnen gerne unser Kundenservice unter 0228 28609855."

 
 

Foto: Privat

 
 

Prima, dann rufe ich doch dort mal an. "Unsere Rufnummer hat sich geändert. Unseren Privatkunden-Service erreichen Sie telefonisch nur noch unter 0228 4333112. Vielen Dank für Ihren Anruf und auf Wiederhören." Mensch Maier, da war aber einer gründlich bei der Aktualisierung der automatisierten E-Mail an Sendungs-Empfänger*innen. Nicht.

Freitag, 15:24 Uhr: Da mir die elektronische Stimme am Hörer ebenfalls weismachen möchte, dass sich meine Post "In Ihrer Postfiliale" befindet und mir noch einen "Schönen Tag und auf Wiederhören" nachschiebt, schweige ich beim zweiten Anlauf gänzlich und erreiche - endlich - einen M E N S C H E N. Die nette Dame verrät mir dann auch die lang ersehnte Adresse der Postfiliale: Frankfurter Allee 71, etwa 2,7 Kilometer oder 25 Minuten Fußmarsch von meiner Wohnung entfernt.

Samstag, 10:24 Uhr: Habe mich extra schick gemacht für die Dame am Counter und warte ganz brav auf den Tritt über die Bodenmarkierung, um mein Paket abzuholen. Denkste. Nix da oder angekommen. Wo ist es denn? "Kann ick Ihnen och nich sagen. Müssen se mal die anderen Filialen besuchen." Halleluja, da kommt Freude auf! Wie ein begossener Pudel schleiche ich eine Kreuzung weiter zur 'Sparparade', einem charmanten Verkaufspunkt der Deutschen Post in der Frankfurter Allee 51.

Samstag, 10:47 Uhr: Sofort überwältigt mich der Inhaber mit seiner offenen Art und Freundlichkeit. Ich bin begeistert von der Hilfsbereitschaft, die mir entgegenschlägt und wir kommen ins Gespräch. Endlich einer, der mir zuhört und sich mal im kleinen Nebenraum umsieht. Für mich abgegeben wurde auch bei ihm nichts, doch sei ich nicht der Erste, der heute nachfragt und ich solle mich ermutigt fühlen, noch einmal beim Kundenservice durchzuklingeln.

 
 

Foto: Privat

 
 

Samstag, 10:51 Uhr: Beim ersten Versuch streikt der Server der jungen Dame am Telefon und sie bittet mich, es in einer Stunde erneut zu probieren. Ich ungeduldiger Schlingel wähle Sekunden später wieder die Hotline und lande bei einem Kollegen, dessen Server problemlos rattert und folgende Info ausspuckt: "Die Sendung wird zur Abholung in die Filiale gebracht." Kommt mir bekannt vor. Wo sich das Paket derzeit befindet, entzieht sich auch seiner Kenntnis. Er vermerkt meine Nachfrage und bittet den nicht erreichbaren Zusteller sowie dessen Vorgesetzten um zeitnahe Stellungnahme und Rückruf am Nachmittag.

Montag, 09:04 Uhr: Da bin ich wieder und die 0228 28609855 verfolgt mich mittlerweile bis in den paketlosen Schlaf. Neue Woche, neues Glück. Gut gelaunt verspricht die Dame an der Hotline (wieder eine Neue, versteht sich) um Klärung des Sachverhalts "in den kommenden sieben Werktagen", gefolgt von einer E-Mail: "Zurzeit erreichen uns unerwartet viele Kundenanfragen. Deshalb können wir Ihnen leider nicht so schnell antworten..."

Wat? Nee. Kann nicht sein. Nunmehr schaltet sich zusätzlich das Media Markt-Team ein und informiert die dortige Logistik über den Vorgang. Hauptsache, Ihr habt Spaß!

Montag, 18:04 Uhr: Fast zu schön, um wahr zu sein. Der service-orientierte Mann an der DHL-Hotline informiert mich über das Eintreffen der Sendung in der Postfiliale Koppenstraße 3 in Berlin-Friedrichshain. Von Nohra-Erfurt und Rüdersdorf in Brandenburg zum Ostbahnhof. Der Countdown läuft.

Dienstag, 08:12 Uhr: Vor dem Weg ins Office schwebe ich - gespannt wie ein Flitzebogen - vorbei an missgelaunten und ungeduldigen Briefgeschädigten, und reihe mich im Mittelgang in die drängelnde Schlange ein. Da ist es, DAS Paket. Mein Herz rast vor Freude.

 
 

Foto: Privat

 
 

Dienstag, 11:48 Uhr: Marcel P. vom Kundenservice der DHL Paket GmbH meldet sich und bittet um Entschuldigung: "Natürlich habe ich mich sofort darum gekümmert und die Kollegen vor Ort informiert. Sie werden dafür sorgen, dass so etwas möglichst nicht mehr passiert. Wenn Sie hierzu Fragen haben, dann melden Sie sich einfach – meine Kollegen und ich sind gerne für Sie da. Laut System liegt die Sendung zur Abholung in der Filiale Koppenstraße 3 bereit."

Mittwoch, 14:27 Uhr: Das E-Business Team von Media Markt bittet um Mitteilung, ob es der Wahrheit entspricht, dass meine Bestellung inzwischen eingetroffen ist, damit die Sache zum Abschluss gebracht werden kann. Ich bejahe und umarme meine Sendung. Merry Christmas!

Du hast Fragen, Wünsche, Anregungen oder konstruktive Kritik? Dann schreib mir eine E-Mail.

 
 
 
Impressum