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andré puchta
 
 
 

Privatempfang bei Siegfried in Las Vegas

Im Herbst 2008 startete ich gemeinsam mit meinem Freund und Wegbegleiter Klaus Beer zu einer elftägigen Reise nach Kalifornien und dem mittleren Westen der USA - nach San Francisco und Los Angeles, zum Yosemite National Park, Grand Canyon und auf die legendäre Route 66. Die größte Überraschung traf mich in Las Vegas.

Wir übernachteten im Stratosphere, einem Hotel mit 2.444 Zimmern und weltbekannt für seinen Tower - das mit 350 Metern damals höchste freistehende Bauwerk der USA westlich des Mississippi River. Es war brütend heiß in Las Vegas und Klaus bat mich am fünften Tag unserer Rundreise, den Vormittag für einen privaten Ausflug zu zweit freizuhalten.

 
 

Foto: Las Vegas im September 2008.

 
 

Wer den angenehm durchgeknallten Globetrotter trifft, dem sticht als erstes die eigens angefertigte US-Brille ins Auge. Klaus ähnelt dem Extrembergsteiger Reinhold Messner äußerlich sehr. Irgendwie suchte ich immer einen behaarten Yeti in seiner Nähe. Während meine Sneaker am Asphalt festzukleben drohten, organisierte Klaus ein Taxi mit mir unbekanntem Ziel.

Zugegeben, in den ersten Minuten unserer schier nicht enden wollenden Fahrt durch die schönen, aber auch weniger ansehnlichen Straßen von Las Vegas zweifelte ich in immer wieder kehrenden, kurzen Abständen an der Zurechnungsfähigkeit meines bis dato stets zuverlässigen Reiseleiters.

Klaus plagten im Taxi ernste Zweifel, ob denn „jemand zu Hause“ sei oder unsere Fahrt am Vorplatz „der Villa“ abrupt enden könnte. Ich nahm es mit Humor, selbst dann, als unser graubärtiger Taxifahrer in feinstem, amerikanischen Englisch mit der Zentrale funkte und ihnen zu verstehen gab, dass zwei verplante Deutsche mit ihm „zum Anwesen“ düsen und er sich darauf einstellt, auch die Rückfahrt schnell abzuwickeln.

Nun rollten wir bei gefühlten 36 Grad auf heißen Ledersitzen dem Stadtrand entgegen. „Klaus, wohin fahren wir eigentlich?“, platzte es aus mir heraus. „Na zum Siegfried.“ Ahja. Alsbald war es soweit: Wir stiegen aus und einen Atem später suchte Klaus an der Hausfassade nach einer Sprechanlage. Ein Bild für Götter.

 
 

Foto: Las Vegas im September 2008.

 
 

Von Palmen und blühenden Bouganville umgeben, residierten die deutschen Illusionskünstler am Stadtrand der Glitzerstadt, in der während ihrer 30-jährigen Bühnenpräsenz über 25 Millionen Menschen die spektakuläre Show SARMOTI (Siegfried and Roy, Masters of the Impossible) sahen.

Mir schwante Böses. Im Gedanken sah ich uns beide als Stalker im Knast, auf Kaution frei im nächsten Flieger zurück nach Deutschland oder von Tigern zerfetzt im Garten. Ich hatte und habe einen riesen Respekt vor den Großkatzen mit ihren goldgelben Streifenmustern. Doch für Kopfkino war es eh zu spät.

Klaus klingelte und sprach in die Anlage ein herzliches „Hello from Bavaria.“ Stille. Es meldete sich eine weibliche Stimme übers Mikro: Die von Sharon Nelson, der persönlichen Assistentin von S&R. Erhalten normalerweise die Großen der Welt einen Privatempfang in der großzügig angelegten Villa, die ein wahres Museum mit Kunstgegenstränden aus aller Welt ist, so öffnete sich für meinen Freund Klaus und mich Sekunden später das schmiedeeisene Tor.

Na toll, jetzt standen wir in der Einfahrt und hatten nicht mal Köstlichkeiten aus der Heimat im Gepäck - was für eine Blamage. Als wir den Raum betraten, eine Art Büro-Vorzimmer, traute ich meinen Augen nicht. Saß da nicht Siegfried selbst hinter seinem Schreibtisch?

„Hallo Klaus, was machst du denn wieder mal hier.“ Sofort entwickelte sich ein vertrautes Gespräch, in dem Klaus Siegfried den Vorschlag unterbreitete, in Deutschland eine ganz besondere Ehrung zu empfangen, nämlich die Verleihung eines Star-Sterns auf dem „Signs of Fame“, Klaus heimlicher Projektliebe.

 
 

Foto: Mit Klaus Beer und Siegfried Fischbacher / Las Vegas im September 2008.

 
 

Diesen sollten Siegfried & Roy nicht nur für ihre grandiose Illusionsshow SARMOTI erhalten, sondern auch für ihr Engagement zur Erhaltung der Wunder auf unseren Blauen Planeten. Denn dieses entspricht genau der Globalen Bedeutung des multikulturellen und völkerverbindenden Friedensprojekts.

In kurzer Hose und weißem Hemd saß ich vor Siegfried Fischbacher aus Deutschland, dem erfolgreichsten Magier aller Zeiten. Sein Blick richtete sich auf mich: „Na, wie heißt du denn?“. Ein liebenswerter Mensch, keine Spur von Überheblichkeit oder Desinteresse, im Gegenteil. Als ich Siegfried meine fränkische Herkunft nannte sowie meinen damaligen Wohnort München, legte sich ein gewisser Glanz über seine Augen. Ein echter Bayer eben.

Wir sprachen über Rosenheim und das Münchner Oktoberfest, die Liebe zur Heimat und meine ersten Tage in den Staaten. Klaus schien bis auf Weiteres abgeschrieben zu sein, was darin gipfelte, dass Siegfried eine hölzerne Schreibtischschublade öffnete und ungefragt auf einem großen Glanzfoto für mich signierte.

 
 

Foto: Privat

 
 

„Siegfried, dürfte ich auch ein signiertes Bild haben“, fragte Klaus beinahe schüchtern und der Hausherr entgegnete humorvoll: „Unverschämt warst du ja schon immer, aber natürlich gerne.“ Ein Foto zur Erinnerung durfte nicht fehlen, was für Siegfried Anlass war, sein blondes Haar zu durchstreifen.

Als weiteres Geschenk erhielten wir noch zwei Karten für den Secret Garden im The Mirage, in dem Siegfried & Roy jahrelang auftraten und Millionen von Menschen aus der ganzen Welt mit ihrer unvergleichlichen Show begeisterten. Im Secret Garden kann man bis heute noch die weißen Tiger sehen, die den besonderen Reiz der Vorstellung ausmachten.

Während wir uns von Siegfried verabschiedeten, bedachte Sharon unseren erstaunlicherweise noch immer wartenden und völlig verdutzten Taxifahrer ebenfalls mit einem Gutschein. Das Gitter schloss sich hinter uns. Klaus grinste über das ganze Gesicht, so, als hätten ihm Elvis Presley, Marilyn Monroe und Frank Sinatra ein Privatkonzert gegeben.

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