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andré puchta
 
 
 

Top10-Liste: So fliegst du von jeder Gästeliste

Der Teppich, mein Lover: Unpünktlichkeit ist gelebte Arroganz, höre ich oft. Vielen Einladungen ist nicht zu entnehmen, wann das Programm beginnt und der Einlass endet.

Wenn dich die Parkwächter und Securities freundlich begrüßen, bist du vermutlich einer der ersten Gäste – und noch vor den Journalisten eingetroffen. Der rote Teppich wartet auf dich – mach ihn zu deinem Projekt. Rauf und runter, vor und zurück, mal langsam, mal schneller – und wenn gar nichts mehr hilft: Der Busenblitzer garantiert immer ein Foto. Hoppla, hier sieht man was!

 
 

Foto: Privat

 
 

Die Visitenkarte aufdrängen: Der Stapel Namenskarten in deinem Sakku wird nicht kleiner? Du stehst unter Strom und niemand interessiert sich für dich? Stell dich zu wildfremden Menschen und unterbrich sie im vertieften Gespräch. Lade sie zum Spargelessen deiner Agentur ein, schwärme vor dem Veganer über den Steakabend letztens, teile der Umgebung ungefragt deine Abneigung gegenüber der Medienbranche mit und strecke ihnen ungeduldig deine Kontaktdaten entgegen. Wenn du sehr originell sein möchtest, so gib ihnen irgendeine Karte aus deinem Portfolio der vergangenen Abende. Mal Hinz, mal Kunz, mal General Manager, mal Volontär. Du bist eben vielseitig und austauschbar.

Mitbewerber verkuppeln: Neulich erlebt und sehr amüsant. Zwei Künstlermanager am Tisch liefern sich ein Klienten-Battle um den Schauspieler auf dem Hocker nebenan. Du gießt Öl ins Feuer und mischt die Runde auf, lästerst offen über viel zu hohe Provisionen und Honorare, verunsicherst alle Beteiligten durch dein instinktloses Verhalten und bist eh sichtbar mega schlecht drauf.

Oans, zwoa, g’suffa: Da hilft nur Alkohol. Ein Glas Sekt zur Begrüßung, ein Weißwein hinterher, danach Vodka Red Bull vom Sponsor, zwei Jägermeister und drei Korn. Jetzt hält dich nichts mehr davon ab, geheime Firmeninternas auszuplaudern, mal ne richtig dicke Lippe zu riskieren und sich für zukünftige Gästelisten zu empfehlen. Dir gelingt eh alles besser als diesen Vollprofis und das teilst du ihnen mit einem beschwippsten Hallo und Ciao mit.

Das Buffet plündern: Ententerrine mit Stopfleber folgt auf getrüffelte Pasta mit glacierten Kirschtormaten. Zwei Hände sind vier zu wenig und das halbvolle Glas Sekt drückt sich gegen den proppevollen Teller? Von hinten schiebt sich der hungrige Newcomer mit sieben leeren Mägen immer enger an deinen Rücken? Du knurrst dich vom Fingerfood zum fünften Teller und leerst alles, was nicht schnell genug flüchtet oder sich tot stellt. Für den Nachhauseweg steckst du dir zwei Maki-Rollen mit Avocado in den Ausschnitt und zückst die Tupperware aus der geleasten Handtasche.

Stühle verteidigen: So geschehen bei einem Nachwuchspreis für vielversprechende Talente aus dem Filmbereich. 800 Gäste drängen sich in den subtropisch aufgeheizten Innenraum einer Berliner In-Location. Vier Hocker werden von der charmanten Dame nebenan vor der sitzwütigen VIP-Meute beschützt. Munteres Gerangel und wüste Beschimpfungen inklusive. Das motiviert dich. Du zauberst jedem Gast ein mieses Lächeln ins Gesicht.

Selfies mit allen Gästen: Mit Mordstempo bewegst du dich von Tisch zu Tisch, um binnen weniger Minuten alle anwesenden Promis und vermeintlich wichtigen Gegenüber vor die Linse zu bekommen – so als gäbe es danach keine Höhepunkte mehr. Smalltalk war gestern. Für das Selfie wird das iPhone nach dem dritten Glas Sekt zum Drelfie (im betrunkenen Zustand) und du bittest den umringten Veranstalter, doch ein Bild und Video von dir vor der Pressewand zu schießen und zu drehen. Bitte aber im Hoch- und Querformat für twitter, Facebook, Instagram, Pinterest und snapchat.

Einmal feucht durchwischen: Du musst nicht als Letzter kommen, um als Erster zu gehen. Den optimalen Zeitpunkt zur leisen Verabschiedung lässt du gekonnt links liegen und bleibst bis zum Schluss. Da du inzwischen eh alle kennst (und sie dich hassen), hackedicht bist, fünf Kilo mehr wiegst und vier Stühle dein Eigen nennst, ist dir alles egal. Deine Visitenkarten bedecken auf der nahezu leeren Tanzfläche den abgeranzten Boden und weisen dir den Weg zur Tür.

Den Ausgang blockieren: Dort angekommen, fühlst du dich zunehmend unwohl und übergibst dich noch auf dem roten Teppich. Du versperrst den Notausgang, schreist hysterisch und hältst auch diesen Zustand mit deinem iPhone fest, das mit letzter Akkukraft alles gibt, um sich nun endgültig in den Schlaf zu verabschieden. Der Gastgeber bittet parallel um Anpassung der Gästeliste und ersetzt dich durch Kim Jong-un aus Nordkorea.

Den Goodie Bag durchstöbern: Kaum im Nachtbus eingestiegen, kramst du aufgeregt im Goodie Bag zwischen Haarspray, Kugelschreiber und dem Gratis-Magazin. Was du doch für Assi-Leuten auf der Party begegnet bist. Du bist klasse und ganz toll. Morgen Abend geht’s zum nächsten Teppich.

Du hast Fragen, Wünsche, Anregungen oder konstruktive Kritik? Dann schreib mir eine E-Mail.

 
 
 
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