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andré puchta
 
 
 

Vom Raub zur Weltmeisterschaft

Im Frühjahr 2011 konzipierte ich die HTWWWM als offizielle Weltmeisterschaft im Handtaschen-Weitwurf. Diese wurde von Sommer 2012 bis 2016 im Movie Park Germany in Bottrop-Kirchhellen (NRW) ausgetragen.

Wenige Wochen zuvor saß ich in einem Café auf der Kölner Ehrenstraße und beobachtete durchs Fenster den sekundenschnellen Raub einer Handtasche. Die Studentin war weniger über den Verlust ihres Geldes, Schmuckes und Handys entsetzt - sie verband mit ihrer Handtasche viele Erlebnisse und Erinnerungen. Ich las mich in Studien ein und war erstaunt:

 
 

Foto: Martin Hohmuth

 
 

Frauen verbringen etwa 76 Tage ihres Lebens damit, in ihren Handtaschen zu wühlen. Da wurde mir bewusst, welch hohen Stellenwert das Ding - nicht nur - für das weibliche Geschlecht haben dürfte. Während eines Spaziergangs am Rheinufer entstand die Idee, dem vielleicht treuesten Wegbegleiter die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen und einen sportlichen Wettbewerb zu etablieren, der beide Geschlechter gleichermaßen anspricht.

Der Movie Park Germany in Bottrop-Kirchhellen ermöglichte durch die zentrale Lage mitten im Ruhrgebiet im Umkreis von 160 km potentielle 5,3 Mio. Werfer*innen vieler Nationalitäten. Das waren optimale Bedingungen für einen lebendigen Wettkampf.

Im Juni 2012 informierten wir die verdutzte Öffentlichkeit über unsere Pläne und mir stockte der Atem: Der Konferenzraum der anberaumten Pressekonferenz platzte aus allen Nähten. Die Blicke der angereisten Journalist*innen sprachen Bände.

 
 

Foto: Pressekonferenz zur HTWWWM am 26. Juni 2012 im Movie Park Germany.

 
 

Viele hielten den 11:00 Uhr-Termin für ein Date mit der Versteckten Kamera und man glaubte an die komplette Verarsche. Das Podium bestehend aus Jury-Präsidentin Irmgard Knüppel, Bundestrainer Jens Vatter, Park-Chef Wouter Dekkers, dem Psychologischen Berater Marc Sandmann und meiner Wenigkeit lächelte entschlossen zurück.

Beim anschließenden Probe-Weitwurf beschädigte die Muster-Handtasche eine mobile Kamera des WDR Fernsehens und ich stand kurz vor einer ausgerenkten Schulter. Es gab vier Wurfmöglichkeiten: Stoßen, der kurzangebundene Kurbelwurf in gebeugter Position, Freestyle und Diskuswurf.

Die kompetente Fachjury beurteilte neben der Weite nach technischer Ausführung und Choreographie. Ihr gehörten unter anderem Schlagerstar Roberto Blanco, Moderatorin Margarethe Schreinemakers, Natascha Ochsenknecht, Model Sarah Knappik und Girl Group-Legende Eva Jacob an.

 
 

Foto: Norbert Mispelbaum

 
 

Mehr als 950 Medien aus 22 Ländern thematisierten bis heute die HTWWWM, darunter CNN, der Myanmar International TV Channel als staatlicher TV-Sender in Myanmar, die türkische Tageszeitung Hürriyet, der pakistanische News Channel Abb Takk, der iranische Auslandsfernsehsender Press TV, rediff und WION in Indien, THVL in Vietnam, die Deutsche Botschaft in Tel Aviv, Sada Al-Balad im Libanon, SAPO in Portugal, minutouno in Argentinien und Agenzia Nazionale Stampa Associata in Italien.

Wir planten die WM in unserer Freizeit und ganz ohne Profitgedanken. Bei 2,3 Milliarden Euro Kosten für Olympia lagen wir mit 400 Euro jährlichem Preisgeld für das Siegerteam leicht abgeschlagen dahinter. Was uns wieder aufbaute: Im Welt der Wunder-Ranking der zehn ausgefallensten Veranstaltungen in Europa landete die HTWWWM im April 2015 auf Platz 4.

Die BILD zählte die Veranstaltung im April 2015 zu zehn verrückten Wettbewerben und Festivals in aller Welt. Im Deutsche Welle-Ranking der zehn schrägsten Veranstaltungen in Europa wurde die HTWWWM - als einzige Sportveranstaltung aus Deutschland - im April 2016 auf Platz 8 aufgeführt.

 
 

Foto: Norbert Mispelbaum

 
 

Stefan Koopmann aus Moorriem im Landkreis Wesermarsch in Niedersachsen warf im Finale 2016 unfassbare 46,20 Meter und übertraf die Vorjahres-Bestmarke von Klavierträger Pierre Ermini aus Wuppertal (35,32 Meter) um stolze 10,88 Meter. Der Abteilungsleiter Maschinenbau setzte dabei die Handtasche seiner Mutter ein.

Bei uns warf die 72-jährige Seniorin ebenso wie der Fahrlehrer, Richter, Landschaftsgärtner oder Gas-Wasser-Installateur. Wir unterschieden zwischen der verbindenden Teamleistung und dem geleisteten Einzelwurf. Die Schwierigkeit bei den Würfen bestand vor allem darin, die Flugkurve der Handtasche richtig einzuschätzen. Da sie nicht so aerodynamisch ist wie ein klassisches Wurfgerät, kann der Wind eine gehörige Rolle spielen.

Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist. Diesen Punkt hatten wir nach fünf Jahren im Sommer 2016 erreicht und es war mir wichtig, die WM nicht beliebig werden zu lassen. Die aktuelle Bestmarke über 46,20 Meter entspricht einer Wurflänge von fünf afrikanischen Steppenelefanten, 27 Reiner Calmund oder 355 iPhone - da wird es zunehmend schwieriger, jährlich einen neuen Weltrekord aufzustellen.

Du hast Fragen, Wünsche, Anregungen oder konstruktive Kritik? Dann schreib mir eine E-Mail.

 
 
 
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