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andré puchta
 
 
 

Wenn der Popstar zwei Mal klingelt

Das Haus meiner Eltern lag an einer relativ steilen Wegauffahrt, wo sich Hase und Fuchs auch am helllichten Tage gute Nacht sagten und in dessen Umgebung absolut kein Hauch von Beverly Hills zu verspüren war.

Ich wuchs dafür in einer liebenswerten und abwechslungsreichen Landschaft zwischen den bayerischen Mittelgebirgen Frankenwald und Fichtelgebirge auf. Es waren schöne und bewegende 18 Jahre, die mich bis heute prägen und wissen lassen, woher ich komme und was Heimat wirklich bedeutet.

Im Januar 2000 fotografierte ich als Jugendreporter der Frankenpost das Konzert des damaligen Chartstürmers Oli.P in der Freiheitshalle Hof. Kreischalarm zwischen 'So bist du' und 'I Wish', fliegende Plüschherzen und 34 hyperventilierte Fans.

 
 

Foto: Frankenpost vom 31. Januar 2000

 
 

Sein Coversong von Grönemeyers 'Flugzeuge im Bauch' stand 25 Wochen auf Platz eins der Charts, erhielt Dreifachplatin in Deutschland und zählt bis heute zu den meistverkauften Singles in Deutschland seit 1975.

Der steile Aufstieg begann für Oliver allerdings mit der RTL-Erfolgsserie 'Gute Zeiten, schlechte Zeiten'. Knapp zweieinhalb Jahre lang begeisterte er in der Rolle des chaotisch-liebenswerten Ricky Marquart rund sechs Millionen Zuschauer*innen.

Während ich als Azubi tagsüber im Baumarkt routiniert Trittschalldämmung schief schnitt, Rasentrimmer ohne Spulen verkaufte und den Gabelhubwagen gegen die Wand setzte, wuchs in mir der Wunsch, irgendwann als Journalist die Bretter der Welt zu erkunden. Raus aus der Kleinstadt und rein ins Geschehen.

Im Februar 2001 begegnete ich Oliver Petszokat in Berlin wieder. Wir sprachen über seine musikalischen Pläne und meinen Wunsch, als Quereinsteiger im Medienbereich Fuß zu fassen. Das Treffen endete mit meiner Einladung nach Nordbayern.

 
 

Foto: Bürgermeister Albrecht Dietel begrüßt Oliver Petszokat am 18. Mai 2002 in der Marktgemeinde Zell im Fichtelgebirge.

 
 

Nach dem Crash der Technologiebörsen ließen die Terroranschläge vom 11. September 2001 die Aktien- und Finanzmärkte einbrechen. Auch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft war schon mal besser. Mit dem lange ersehnten Volontariat bei meiner Heimatzeitung klappte es leider nicht und ich stand vor der Entscheidung: Einzelhandel oder volles Risiko und wohnort-technischer Tapetenwechsel.

Wenige Monate nach dem Tod meines Vaters leistete ich ab September 2001 aber zunächst den Zivildienst in der ihn zuletzt betreuten Pflegeeinrichtung ab. Am 18. Mai 2002 war es soweit und Oli.P schlug in meiner Heimatgemeinde auf - im Schlepptau der niederländische Rapper Jan van der Toorn, der weißrussische Schauspieler Andrei Sterling und ein Bus voller Narren.

 
 

Foto: Sonntagsblick vom 19. Mai 2002

 
 

Zell im Fichtelgebirge zückte das große fränkisch-protokollarische Besteck inklusive offiziellem Empfang im Rathaus, Eintragung in das Goldene Buch der Marktgemeinde, einer Fahrt mit dem damals brandneuen Löschfahrzeug 8/6 der Freiwilligen Feuerwehr und dem Besuch des beheizten Freibads. Dort warteten die aufgeregten Kinder der Rappelkiste und des örtlichen Turn- und Sportvereins, um Oli eigens für ihn choreographierte Tänze zu präsentieren.

 
 

Foto: Privat

 
 

Ein Star zum Anfassen: Da standen wir nun und der sichtlich überraschte Schauspieler lauschte etwas übermüdet vom langen Vorabend den lobenden Worten meines Bürgermeisters. Ich bin Oliver bis heute dankbar für seinen Besuch.

Er, der Echo-Preisträger mit über drei Millionen verkauften Tonträgern, nahm sich die Zeit und das festigte meinen Eindruck eines bodenständig gebliebenen Künstlers und richtig coolen Berliners, der mit zahlreichen Preisen wie 'Die Goldene Stimmgabel', 'Die Goldene Europa' sowie mehreren Bravo-Ottos ausgezeichnet wurde.

 
 

Foto: Eintrag in das Goldene Buch der Marktgemeinde Zell im Fichtelgebirge am 18. Mai 2002.

 
 

So war es nur konsequent, dass es mich Mitte Juli 2002 erstmals beruflich nach Berlin zog. Ich absolvierte ein Praktikum in Olis Management 23HeadZtorms, begleitete ihn zu Auftritten nach Erfurt, Bad Salzuflen oder Oberhausen, pflegte die Website und beantwortete die Anfragen seiner Fans.

2003 wechselte ich als redaktioneller Mitarbeiter von Vera Int-Veen und Ulrich Hansbuer zur time 2 talk show GmbH nach Potsdam-Babelsberg. Oliver lebt heute in Köln - meinem Wohnsitz zwischen 2009 und 2012 - und ich in seiner Heimstadt. Das Leben erzählt eben doch die besten Geschichten.

Du hast Fragen, Wünsche, Anregungen oder konstruktive Kritik? Dann schreib mir eine E-Mail.

 
 
 
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