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andré puchta
 
 
 

Durch dick und dünn: Wie Klaus Beer mir den Wahnsinn lehrte

3. September 2000, Freiheitshalle Hof: Fein rausgeputzt saßen Mum und ich auf den engen, unbequemen und harten gelben Sitzen und verfolgten das Geschehen der von Dieter Thomas Heck moderierten ZDF-Sendung Showpalast aus Reihe 4. Während die Flippers über die gefegte Bühne schritten und Peter Kraus backstage von Sugar Baby träumte, verwehrte die frisch toupierte Haarpracht des vor uns sitzenden Mannes jeglichen freien Blick.

Wenige Wochen später grinste mir der Typ mit der verblüffenden Ähnlichkeit Reinhold Messners aus der Zeitung entgegen. Tagsüber als Bankangestellter an den Schreibtisch gefesselt, entschwebte Klaus Beer nach Feierabend (und gedanklich auch dazwischen) in andere Welten. Der Oberfranke bereist seit Jahrzehnten fremde Länder, darunter bislang 25 Mal die Vereinigten Staaten.

 
 

Foto: Klaus Beer

 
 

2000, als DJ Ötzi mit Anton aus Tirol die Charts eroberte und Pokémon-Karten längst zum echten Renner avancierten, befand ich mich im zweiten Jahr meiner Ausbildung und raste in der Freizeit als freier Mitarbeiter für die regionale Tageszeitung Frankenpost von Gartenfest zu 90. Geburtstag. Eine Leidenschaft, die mich nie mehr losließ.

Für Klaus Beer wiederum sollte sich 1976 alles verändern: In einem Sandsturm in der Wüste Tunesiens erkannte er, dass Zahlen, Formulare und Bürokratie nicht sein Leben sind, sondern: fremde Länder, fremde Menschen und deren Sitten und Gebräuche. Ihm lag viel daran, dieses nicht für sich zu behalten, sondern alle Erlebnisse in Bild und Wort an andere weiterzugeben.

Als ich im Februar 2000 nach Berlin reiste, um mich für die Frankenpost mit Sänger Oliver Petzszokat zu treffen, vibrierte mein - heute ur-ur-ur-mega-altes - erstes Handy Nokia 5110 und siehe da: Klaus Beer quasselte auf mich ein, was die Leitung hergab. Da war er also wieder, der angenehm schräge und ungewöhnlich lebendige Weltenbummler. Kurzerhand verabredeten wir uns auf eine Coke Light im Hard Rock Café am Kurfürstendamm.

Mir wurde schnell klar: Nur die Wunder unseres blauen Planeten ließen Klaus Beer im tristen Berufsalltag überleben. Schon in der Schule hasste er Zahlen und doch landete Klaus in einer Bank, eigentlich seinen Eltern zuliebe, denn er fühlte sich stets als Künstler, Filmemacher, Fotograf und Schriftsteller. Die Vorfreude auf die jährliche Urlaubsreise, der örtliche Ausbruch und das Erleben fremder Welten wirkten auf ihn wie Erneuerbare Energien.

Anstelle Karriere in der Bank zu machen, legte Klaus seine ganze Persönlichkeit, sein ganzes Herzblut, all das, was ihn als Menschen bis heute ausmacht, in die Bildbearbeitung seiner Filme und Bücher, um in Bild und geschriebenen Wort sein Publikum mit auf große Reise zu nehmen. Als er mir bei unserem Kennenlernen vom bereits erwähnten Sturm in Nordafrika berichtete, glaubte ich sogar, den Sand zwischen den Zähnen zu spüren.

Seine Gesprächspartner hatten dabei das Gefühl, mit dabei zu sein auf allen Touren, die ihn mit der Film- und Fotokamera rund um die Welt führten, so zum Beispiel nach Marokko, Algerien (Sahara-Expedition), Indien, Nepal, Ladakh, Thailand, Südafrika, Hongkong, Australien, Neuseeland, Kanada, Alaska, Syrien, Jordanien, Türkei, Venezuela, Sri Lanka und Pakistan.

Es entstanden abendfüllende Reise-Kulturfilme, anfangs in Super 8, dann im semiprofessionellen 16-mm Format, die Klaus Beer noch heute in Kinoatmosphäre auf Großleinwand präsentiert. Nach einer ersten Reise in die USA verlor er sein Herz an die Vereinigten Staaten. Zwischen den 'exotischen' Touren zog es ihn immer wieder dorthin.

Bis heute porträtierte Klaus die USA auf weit mehr als 25 Reisen in Film, Bildbänden und Fotoausstellungen. Es entstand eine Dokumentation über die Kultstraße Amerikas, die Route 66, ein Film über die Kontinentdurchquerung vom Atlantik zum Pazifik und ein Film, der unter dem Titel 'Best of the West' alle Naturwunder und US-Nationalparks in einer Produktion vereint.

Wie sehr Klaus Beer mein weiteres Leben indirekt beeinflusste, zeigte sich erst Jahre später, doch schon nach unserem Gedankenaustausch im Februar 2000 trennte uns kein Blatt Papier mehr. Es entwickelte sich - trotz 32 Jahren Altersunterschieds - eine wahre Freundschaft, die ihresgleichen sucht. Klaus lehrte mir den Wahnsinn und ermöglichte den Einblick in für mich damals fremde Welten und Branchen. Doch dazu später mehr.

 
 

Foto: Las Vegas im September 2008.

 
 

Im Herbst 2008 startete ich gemeinsam mit Klaus Beer zu einer elftägigen Reise nach Kalifornien und dem mittleren Westen der USA - nach San Francisco und Los Angeles, zum Yosemite National Park, Grand Canyon und auf die legendäre Route 66. Die größte Überraschung traf mich in Las Vegas. Mehr!

Rückblickend betrachtet wurde der 3. September 2000 in doppelter Hinsicht zu einem Datum, welches meine Entwicklung sowohl privat als auch beruflich maßgeblich bestimmte. Ich traf auf einen echten Freund, der mir den Blick versperrte (und später erweiterte) und staunte als 17-jähriger Showpalast-Saalgast in der Freiheitshalle Hof über das auftretende Ballett des Friedrichstadt-Palastes. 13 Jahre später war es Berlins meistbesuchte Bühne, für welche ich beruflich vom Rhein an die Spree zog. So schließt sich der vorbestimmte Kreis.

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